Liebe Gemeinde!
Kennst du eigentlich diese Furcht, von der Jesus hier spricht? ... Nein? - Nun, wir heute brauchen keine Angst um Leben oder Besitz zu haben, wenn wir sagen: „Ich bin Christ.“ Schließlich garantiert uns ja das Grundgesetz „die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses“ als „unverletzlich“, und „gewährleistet“ „die ungestörte Religionsausübung.“ Da soll nur einer kommen, und mir Schwierigkeiten machen, weil ich ein Christ bin!
Besser können wir es also gar nicht haben: Keine Behinderungen der Gottesdienste oder der privaten Frömmigkeit. Du darfst also Zuhause, in der Kirche, auf der Straße, in der Pause am Arbeitsplatz beten, und keiner darf dich daran hindern.
Ist es nicht toll, wie frei unser Glaube geworden ist? Kein Gedanke an Angst um Leib und Leben beim Gottesdienst, wie so oft in derZeit der Reformation und auch in der NS-Zeit oder unter dem Sozialismus.
Da muss es der Kirche doch sehr gut gehen!? .. Auf der anderen Seite: Wen interessiert es schon, ob ich zur Kirche gehe? Wer kümmert sich noch um meine Konfessionszugehörigkeit? Höchstens der Beamte, der die Steuerkarte ausfüllen muss. - Unbehelligter kann man schon gar nicht mehr glauben oder Gottesdienst feiern, ja, nicht mal die Nachbarn brauchen was zu merken.
Aber Vorsicht! Da gibt es dann doch so ganz kleine Anlässe, die einen ins schlingern bringen: Besuch ist da. Man setzt sich zu Tisch. - Da kommt Verlegenheit auf: „Sollen wir beten vor dem Essen?“ - oder: „Müssen wir denn unbedingt beten? Das doch wohl nicht. - Zumindest nicht laut und gemeinsam, das kann auch jeder ganz unauffällig für sich tun. ... Ja, und wer betet denn schon noch vor dem Essen.“
Aber lass diese Hürde mal genommenen sein. Dann kommt der Sonntag. Was jetzt? Die Gäste alleine zuhause lassen? - geht doch
nicht. Das wäre unhöflich. Also zuhause bleiben! Die ganze Familie? Oder nur einer? Was soll der Besuch nur denken, wo er doch nur so selten da ist! Er muss doch denken, er ist mir nicht wichtig, wenn ich gerade dann weggehe, wenn er mal da ist. Oder, wenn er nichts „Vernünftiges“ zu essen bekommt, weil ich nun unbedingt zur Kirche gehen muss. - Dann fehle ich eben einmal. Kennst du solche Gedanken? Ich glaube, jeder von uns hat sie schon gedacht. Und diese Beispiele sind im Grunde nur Lappalien.
Und doch zeigt sich da schon, wie wenig frei wir in unserem Glauben wirklich sind - nicht äußerlich, - innerlich. Und das ist wohl noch wichtiger! All dies sind Situationen, in denen es letztlich darum geht: Was ist dir wirklich wichtig: Dein Glaube - oder: dein Ansehen - die Leute?!
Es ist ja doch nicht bedeutungslos, ob ich Gott - meinen Glauben - obenan stelle, oder etwas anderes. Seien es Freundschaften, mein Ansehen, Beziehungen. All' das könnte ja getrübt werden, wenn es an die zweite Stelle rutschen müsste. Wenn sie zugunsten des Gottesdienstes oder des Glaubens auf mich verzichten müssten. Menschen sind sehr empfindlich, wenn sie sich als zweitrangig behandelt fühlen - auch wenn es Gott ist, dem sie den ersten Rang abtreten - ja, vielleicht gerade dann. Und das bekommst du dann ganz deutlich spüren.
Unsere Ängste, ganz offen Gott die Nummer 1 im Leben sein zu lassen, sind ja nicht ohne Grund da. Jeder hat da seine Erfahrungen. - Natürlich nur so weit, wie wir es gewagt haben, uns zu unserm Glauben zu bekennen. ...
Und dann sind Ängste da: Davor, nicht für voll genommen zu werden, „weil man ewig zur Kirche rennt“, wie es dann heißt, „für nichts und wieder nichts.“ Oder davor, Freunde zu verlieren, weil dir Gott wichtig ist. Vielleicht hast du auch Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren, wenn du auf deinem Recht auf freie Religionsausübung bestehen würdest. Die Angst, den Partner zu verlieren, weil er mit Kirche nicht viel anfangen kann, und auf dich nicht verzichten will. Es gibt noch viel mehr Ängste, die uns unser Glaube sozusagen „einbringt“, Ängste, die uns hindern, öffentlich unsern Glauben, ja, uns zu unserem Herrn Jesus Christus zu bekennen. Öffentlich - klar: nicht im Sinne von: »Auf der Rednertribüne oder im Fernsehen«, sondern ganz einfach in unserer Umwelt, in der wir uns täglich ganz
natürlich bewegen: Am Arbeitsplatz, in der Schule, in der Familie, der Nachbarschaft, in Vereinen, bei Freunden. In dieser Öffentlichkeit wirst du immer wieder neu vor diese Entscheidung gestellt: Für Gott und deine Gemeinde oder: für andere Interessen. Nicht immer lässt sich da ein Konflikt vermeiden. Christus sagt seiner Kirche schon vor ihrer Gründung Schlimmes voraus: staatliche Unterdrückung - weil sie eben Gott mehr gehorcht
als Menschen. Hass, weil Christen sich zu ihrem Herrn Jesus Christus bekennen - und der Riss tief durch die Familien gehen wird, so dass Kinder die Eltern zu töten helfen werden, und umgekehrt. Alles ist schon lange schlimme Wirklichkeit geworden und ist es auch heute noch, wo Kirche verfolgt wird.
Und ähnliches geschieht auch heute, um uns herum bis hin in unseren Familien! Wenn auch nicht in so einer extremen Form.
Ja, fürchtest du dich wirklich nicht, dich durch Rede und Tat zu deinem Herrn zu bekennen? Jesus jedenfalls rechnet damit. Er kennt unsere Angst. Darum sagt er: „Fürchtet euch nicht!“Dreimal sagt er es:
FÜRCHTET EUCH NICHT! vor dem Hass, der euch entgegenschlagen wird, vor denen, die euch nur in diesem Leben schädigen können - für die Ewigkeit sind sie machtlos, fürchtet euch nicht, dass ihr auf vieles verzichten müsst oder zu kurz kommt, dass ihr eben doch bedeutungslos sein könntet.
Zweierlei sagt uns Jesus gegen die Mutlosigkeit, gegen die Angst. Ich möchte sie fast mit „Gesetz“ und „Evangelium“ überschreiben, auch wenn diese Begriffe so nicht ganz passen: Zunächst das Gesetz: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können; fürchtet euch viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle!“ Jesus macht damit ganz deutlich: Die Angst, die mich und dich daran hindert, ihn vor den Menschen zu bekennen, ist Sünde, trennt
mich von Gott, - ist Verstoß gegen das erste Gebot: „Du sollst Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.“ Glaubst du an Gott, also daran, dass er über alles die Macht hat, wieso hast du vor anderem mehr Angst, als davor, ihn zu verletzten? Wie kannst du ihn dann hintanstellen und anderes für wichtiger halten?
Die Menschen, die dir böse sein mögen - sie können zwar deine Existenz zerstören, hier in dieser Welt. Vor Gott kannst du dein ewiges Leben verlieren, und das ist weitaus mehr, als du dir jetzt und hier vorstellen kannst.
Das ist das GESETZ, und es zeigt mir und dir die Folgen unseres Verhaltens an. Und doch wirbt Gott auch hier nur um unser Vertrauen: Auf Gott kommt es eben an. Dein Heil, deine Zukunft, dein ewiges Leben ruht in seiner Hand. Da gilt kein Bangemachen, ganz gleich, welche Geschütze aufgefahren werden, Gott ist stärker. Und daran schließt sich gleich das zweite an, sozusagen der evangelische Zuspruch Jesu: „Dir kann nicht mehr passieren als das, was Gott zulässt. Alles was dich zu Entscheidungen zwingt, das geschieht nur zu deinem Guten, um dich und andere im Glauben zu stärken. Selbst dann, wenn du verfolgt wirst, weil du dich zu mir bekennst, ja auch, wenn du durch deinen Tod bezeugen musst, dass ich dir mehr bedeute, als alles andere.“ Jesus sagt: „Denen, diemich lieben, muss alles zum Besten dienen: Freud und Leid, Krankheit, Sterben und Genesen, ja Verfolgung und Tod, weil du dich zu deinem Herrn bekennst.“ Und dazu gehören gerade die Situationen, die uns verlegen, ja Angst machen. Und da dürfen wir den allmächtigen Gott als Vater wissen. So sehr, wie ein Vater, sorgt er sich um dich und mich. Ja noch viel mehr, als ein leiblicher Vater. Er weiß sogar viel besser um dich Bescheid, als du selbst. Er kennt sogar die Anzahl deiner Haare auf dem Kopf, so sehr interessiert er sich für dich. Um einmal dieses Bild auszumalen: Er weiß sogar, wie viel Haare du morgens beim Kämmen aus dem Kamm oder der Bürste ziehst. So wichtig bist du ihm, - noch viel wichtiger, als die Spatzen, die sich draußen tummeln, und die wir kaum beachten. Und schon von denen fällt keiner auf die Erde, ohne dass es der Vater im Himmel weiß. Da brauchst du dir erst recht keine Sorgen zu machen, er könnte dich übersehen oder links liegen lassen. Es ist ihm wichtig, dass durch dein Leben deutlich wird: Er ist dein Gott. „Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ Es gibt keinen Glauben, den du für dich allein privat pflegen kannst, so dass keiner was davon mitbekommt. Dein Lebensstil zeigt, wen du am meisten fürchtest, wem du dein Leben anvertraust, - auch in aller Schwachheit und Unvollkommenheit, in der du dich selber fragen magst: „Ja, glaube ich denn wirklich?“ Aber dann darfst du auch in aller Angst, bei allem Versagen die Gewissheit haben: Dein himmlischer Vater lässt nichts zu, was dir ewig schaden könnte. Er will dir Mut machen, dich zu ihm zu bekennen, damit andere an dir erleben und erfahren: Bei diesem Gott kann auch ich geborgen sein, auch in aller Angst und Not. Selbst ein verzagtes und schwaches Festhalten an Gott, an seiner Liebe wird für alle Menschen zum Lobpreis Seiner Gnade und Güte. Reformationsfest. - Hast du Lobeshymnen über gewaltige Bekenner vermisst? Darum geht es heute nicht. Das Reformationsfest ist kein Heldengedenktag für Reformatoren.Es muss uns vielmehr klar werden, wie wichtig unser Zeugnis für uns selber ist, für unseren Glauben und unser ewiges Heil, und dass wir für uns selber neu gesagt bekommen, dass wir überall von Gott gehalten sind, dass wir auf seine Fürsorge vertrauen dürfen - denn diese Zusage steht:
„Denen die Gott lieben müssen alle Dinge zum Besten dienen!“, - auch und gerade Leid und Unannehmlichkeiten. Darin an ihm festzuhalten, an seiner Gnade und seiner Hilfe, anderen zum Zeugnis von unserm Glauben und von der Liebe unseres himmlischen Vaters - das wäre angemessen Reformation gefeiert. Schenke uns Gott dazu seine Liebe und Gnade. Amen.

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Seht auch und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
(Lukas 21, 28)