Liebe Gemeinde!
Ein merkwürdiger Name, den der Sonntag heute hat: Quasi-modo-geniti! Was bedeutet dies Quasimodogeniti? Einfach: „So wie die Kinder“. Der Sonntagsname stammt wieder von der Anfangszeile des Eingangspsalms. Der begann heute so: „Wie die neugeborenen Kindlein nach Milch, so verlangt nach dem unverfälschten Worte Gottes!“ 
Aber was haben neugeborene Kinder mit dem ersten Sonntag nach Ostern zu tun?
 Nun: Erst einmal aus einer altkirchlichen Tradition. In den ersten Jahrhunderten, gab es sehr viele Erwachsenentaufen. Da hatte man folgendes eingeführt: Wer getauft werden wollte, der musste eine bestimmte Unterrichtszeit durchlaufen und dann kam der eine große Tauftag im Jahr: Ostern, ein großes Fest für die Gemeinde. Und die Täuflinge waren dabei symbolisch in weiße Taufkleider gekleidet.
Und am Sonntag drauf - eben am deshalb »weißen Sonntag« Quasimodogeniti - da kamen sie wieder in den weißen Taufkleidern zum Gottesdienst, „...als die ihre Kleider hell gemacht haben im Blute des Lammes...“ - in Anlehnung an ein Wort aus der Offenbarung des Johannes. Quasimodogeniti - oder auch weißer Sonntag genannt - das war das erste Taufgedenken! 
Kreuzigung, Auferstehung und die Taufe, das gehörte für die Christen damals zusammen. Nicht nur, weil sie zu Ostern getauft wurden, sondern: ein öffentliches Bekenntnis zu Christus war lebensgefährlich: Christen wurden als Staatsfeinde verfolgt und sogar umgebracht! Weil sie den Kaiser nicht als Gott anerkannten. Sich da taufen zu lassen, das veränderte ein Leben entscheidend! Man musste schon ganz gewaltige Gründe dafür haben!
  Heute leben wir in einer anderen, scheinbar toleranteren Welt. Es bleibt aber die Frage: Was bedeutet mir meine Taufe - in Bezug auf Ostern!
   Lesen wir bei Paulus im Kolosserbrief Kapitel 2 nach, dann haben wir schon die erste Antwort:  „Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe, mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.“  Also: Alles was uns Christus bedeutet - im Blick auf Leben, Sterben und Ewigkeit, - das hat uns Gott in der Taufe schon geschenkt.
Im Titusbrief kann Paulus so schreiben: „Gott macht uns durch die Taufe selig“ - sprich: „durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung im Heiligen Geist!“
So einfach ist das: Gott macht uns durch die Taufe selig. Mit ihr schenkt er uns alles, was wir für die ewige Zukunft brauchen. Mit ihr schenkt er uns bereits das ewige Leben - die Seligkeit!     Noch mal anders: Wer getauft ist, der gilt für Tod und Sünde bereits als gestorben, weil Christi Tod für ihn gilt. Und genauso gilt für ihn auch das, was danach für Chris­tus kam: Die Auferstehung zu neuem Leben.
Alles, was dir noch Angst machen will, ist pure Lüge, und soll dich nur von dem ablenken, was Christus für dich erstritten hat!
Und damit wir uns daran festhalten, deshalb ist er wiedergekommen und hat sich seinen Jüngern gezeigt, damit sie wiederum uns und anderen davon berichten, und auch wir glauben. Beides hängt eng zusammen: Taufe  und  Leben mit Gott. 
  Es gibt aber auch eine innere Verwandtschaft:  Wieder geht es um neues Leben, und wieder ist es Gott, der das Leben schenkt! 
  Wie das? Nun, Ostern verdeutlicht, was dies »neue Leben« bedeutet: Christus war tot, am Kreuz gestorben. Viele haben das gesehen, es war sozusagen amtlich bestätigt. Und dann ist das Grab einfach leer - aber nicht weil die Jünger die Leiche haben verschwinden lassen, wie behauptet wurde, - sondern: weil der, der vorher tot war, nun wieder ins Leben zurückgekehrt ist. Eigentlich nicht wirklich zurückgekehrt, sondern: Jesus ist in ein neues Leben vorausgegangen, in ein Leben, für das nun all die Grenzen nicht mehr gelten, wie wir sie noch erleben. Das Leben, in das Jesus gegangen ist, das kennt kein Leid mehr, weder Krankheit noch Angst, sondern nur noch:
Bei Gott sein - ohne Zweifel oder Fragen, die einen quälen. Und nun kann er überall gleichzeitig den Jüngern erscheinen.
 Und damit die Jünger das erfahren und allen Menschen weitersagen, deshalb zeigt Jesus sich ihnen, redet er mit ihnen, isst mit ihnen und lässt sich sogar von ihnen anfassen. Keiner kann jetzt noch sagen: „Ach, das war nur ein Geist, - eine Einbildung, weil ihr euch das so sehr gewünscht habt.“
 Nein, Jesus ist zu neuem Leben auferweckt worden, zu einem Leben, das keine Grenzen und Schranken mehr kennt. Und das sollen wir auch haben - bei ihm, wenn wir unser Leben in seine Hand geben.
  Und wie das? Also, zuallererst, indem wir uns taufen lassen, - indem wir zu Gott kommen, und ihm sagen: „Hier bin ich, ein armer Mensch und Sünder, der mit seinem Leben alleine nicht zuende kommt. Mach' du was neues aus mir. Nimm mich als dein Kind an und schenk mir dein neues Leben.“
Und Gott wüsste gar nicht, was er lieber täte. Er macht dein Leben neu. Darum sprechen wir bei der Taufe auch von der Wiedergeburt - oder „Neugeburt“. Du kennst das doch: Da fällt eine Last von dir weg, und du fühlst dich wie neugeboren.
So ist das eigentlich auch bei Gott: Er nimmt all das weg, was uns von ihm trennt - unsere Sünde, all das Böse, was wir eigentlich gar nicht wollen, - ja, nicht einmal merken und doch tun wir es. Das alles soll uns nicht mehr vor ihm anklagen. Das hat Jesus am Kreuz ein für allemal ausradiert - und wir dürfen uns wie neugeboren fühlen.
 Aber Achtung! Durch die Taufe ist nicht mit einem Mal alles total problemlos in unserm Leben, alle Ampeln auf grün, nur noch gute Stimmung und alles läuft wie geschmiert. - Auch sonst, wenn wir uns mal wie neugeboren fühlen, dann kommt schnell wieder der Alltag und nimmt uns in Beschlag. Wir erinnern uns aber gerne an so eine Gelegenheit und an das Gefühl dabei, und das kann auch neue Kraft geben, uns neu motivieren.
Bei der Taufe ist das ein bisschen ähnlich: Wir sollen uns immer wieder daran erinnern, [erin­nern lassen], was Gott uns da geschenkt hat. Besonders dann, wenn wir feststellen, dass wir wieder von Gott - von unserm himmlischen Vater und Bruder Christus weggekommen sind. Dann sollen wir uns an unsere Taufe erinnern, und an den verlorenen Sohn, wie ihn uns Jesus gezeigt hat, also zum himmlischen Vater zurück kommen und uns neu vergewissern, wie groß seine Liebe ist, und dass er uns das Leben geschenkt hat. 
Sicher wird uns noch vieles zu schaffen machen, noch vieles unterlaufen, was uns wieder von Gott abbringen kann. Aber wir wissen ja, wo wir das Leben haben - dass wir ewiges Leben haben sollen - dass wir schon mit der Taufe in ein neues Leben geboren sind, zu Gott, zu seiner Familie gehören. Und wir dürfen es ganz gewiss für uns erwarten.
Taufe und Ostern hängen ganz fest miteinander zusammen. Von Ostern her kennen wir das neue Leben, und in der Taufe hat Gott uns zu diesem Leben neu geboren. Wir haben eine Hoffnung - über dieses Leben hinaus, weil unser Herr auferstanden ist, zu dem wir durch die Taufe gehören.
Daher der Name vom Sonntag heute: Quasimodogeniti - wie die Kinder! Gottes Kinder!
Lasst uns Gott danken, dass er uns das neue Leben geschenkt hat und uns in der Taufe als deine Kinder angenommen hat. Helfe er uns, auch wie solche zu leben, so dass dadurch andere von unserer Hoffnung erfahren und auch dazukommen. Segne der Herr dazu sein Ostern. Amen.

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Seht auch und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
(Lukas 21, 28)