Liebe Gemeinde!
Heute geht es bei den Lesungen um Tauferinnerung - bzw. Taufe. Und dann so ein harte schließendes Wort, das Mose an das Volk Israel richtet.
Man könnte nun denken: „Ganz schön und gut, was Mose hier Israel zu sagen hat. Aber was geht uns das an? Leben wir nicht unter ganz anderen Bedingungen?“ Oder sogar: „Unser Gott ist doch ganz anders. Nicht so rachsüchtig, sondern ein Gott der Liebe!“
Aber: Ist das wirklich so: Der Gott im Alten Testament ist ein anderer, als der Vater Jesu Christi - unser himmlischer Vater!?  Dann würde uns dies alles wirklich nichts angehen. Dann sollten wir ein paar hundert Seiten weiter blättern, und etwas Aktuelles suchen.
Nein! Gott, der HERR, im alten Testament ist der Vater Jesu Christi - woher sonst wüssten wir denn, dass Jesus der Messias ist, wenn nicht durch das, was Gott durch seine Propheten angekündigt hatte. Also hat die ganze Geschichte von Gott mit seinem Volk Israel, eine große Bedeutung für uns.
  Heute unter dem Gesichtspunkt der Taufe. Was bedeutet das, was Mose dem Volk Israel zusagt - aber auch androht, denn für uns, die wir heute zu Gottes Volk gehören - ja mehr noch: Die wir durch die Taufe seine Kinder geworden sind!?
  Achten wir zuerst einmal auf die Zusage, das Versprechen, das Gott seinem Volk gibt - oder besser: gegeben hat.  Mose nennt es hier: „Du bist ein heiliges Volk dem HERRn, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.“
Nun, auch die Israeliten sahen sich als Gottes Kinder. Vielleicht auch zu sehr. Manchmal dachten sie, dass Gott sie wegen besonderer Vorzüge auserwählt habe, und dass sie nun als Auserwählte nichts zu befürchten hätten, weder für ihr Leben jetzt, noch für ihre Zukunft.
  Dazu sagt Gott eindeutig nein! Es gibt absolut keine Vorzüge. Nichts an Israel selber hat Gott dazu veranlasst, es auszuwählen. Nicht, weil es besonders groß oder tüchtig war. Ganz im Gegenteil. Einzig und allein seine Liebe hat ihn dazu bestimmt, und das Versprechen, das er Abraham gegeben hatte, dass aus seinen Nachkommen Segen für alle Völker entspringen sollte, also: Der Messias, der Erlöser kommen sollte.
Also: Kein Grund, sich für etwas Besseres zu halten und sich darauf noch etwas einzubilden.
Eher im Gegenteil! Gerade weil Israel von Gott wusste, stand es in besonderer Verantwortung - für sich und für die anderen Völker. Aus Israel sollte doch Segen für alle Völker kommen. Von einer Beschränkung des Heils auf das eine auserwählte Volk war absolut keine Rede! Israel sollte sich aber hüten, sich mit heidnischen Völkern zu vermischen! Das ja, aber nicht als Selbstzweck, sondern um sich nicht vom Vertrauen auf Gott durch die vielen Götter der Völker abbringen zu lassen. Diese Aufgabe brachte die Erwählung mit sich. Und das war gewiss nicht leicht, - wie oft scheiterte das Volk daran. Das zeigen uns die Berichte aus dem Alten Testament nur zu deutlich.
 Gott wählt sich also nicht besondere oder gute Menschen aus, um sie anderen vorzuziehen, sondern es geht ihm immer nur um dies eine Ziel: Möglichst viele Menschen und Herzen zu erreichen und zum Vertrauen auf seine Hilfe und seine Zukunft zu führen.
Welch verschlungene Wege er dabei einschlägt, dass er dabei gerade auch Schuld in Segen verwandelt, das zeigt uns der Tod Jesu Christi, das zeigt die Missionsgeschichte. Paulus hätte nie so schnell das Evangelium in halb Europa verkündigen können, hätte es nicht schon überall jüdische Synagogengemeinden gegeben, und damit auch Menschen, die von Gott wussten und auf sein Heil und den Messias warteten. Aber dass überall in der Welt Juden anzutreffen waren, das lag nur daran, dass sie einst von den Babyloniern und Assyrern in alle Welt verstreut worden waren, weil sie Gott ungehorsam gewesen waren, nicht auf seine Warnungen hörten. Sie hielten sich nicht aus einem Krieg zwischen Ägypten und Assur heraus, wurden vernichtend geschlagen, ausgeplündert, in alle Länder zerstreut und mussten dort als Sklaven arbeiten.
   Auch heute noch bedient sich Gott vieler Menschen, um sein Evangelium auszubreiten. Seine Liebe gilt letztlich allen Menschen, ohne Unterschied. - Und trotzdem hat seine Beziehung zum Volk Israel eine ganz besondere Bedeutung! - Aber das soll uns heute nicht weiter beschäftigen.
Nur eins ist für uns ganz wichtig: Wenn Gott Menschen in seinen Dienst ruft, dann tut er das nicht, um diejenigen zu benachteiligen, die er nicht so speziell ruft.
...Im Neuen Testament wird von uns Christen als von »Auserwählten« gesprochen. Aber wir sollen bedenken, dass das nicht so geschieht, als wären die anderen von vornherein verworfen, - und uns, den Auserwählten, könnte gar nichts weiter passieren, als selig zu werden, - sondern das ist immer und nur vom Ziel her zu verstehen: Gott weiß schon vor deiner Geburt, ob du selig wirst oder nicht, ob du sein Geschenk behältst oder es für dich ablehnst. Und wenn du zu ihm kommst und bleibst, dann bist du solch ein Auserwählter - aber eben nicht aus eigener Leistung oder wegen irgendwelcher Vorzüge, sondern weil Gott dich liebt und du bei ihm geblieben bist.
Und wenn dann auch Paulus noch uns Christen als solche Auserwählten anredet, dann meint er wirklich jeden von uns, jeden der getauft ist, jeden, der es ernst meint mit Gott.
„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn in die Welt und in den Tod gab.“ so hören wir zu Weihnachten. Da ist nicht die Rede von einem exklusiven Häufchen Privilegierter. „Die Welt geliebt...“ - wer wäre dabei ausgeschlossen? „Viele sind berufen,“ - man könnte sagen: „Alle sind gerufen“ - „...aber wenige sind auserwählt!" - also: „...nur wenige halten wirklich an Gott fest - lassen das für sich gelten, was Gott für uns unternommen hat, um uns zu retten, was er uns schenkt!“
Und wie wird man Auserwählter? Durch den Bund, den Gott geschlossen hat mit seinen Menschen, dadurch dass Gott uns durch die Taufe als seine Kinder annimmt, und wir unser Leben ihm anvertrauen.
Deshalb taufen wir ja unsere Kinder, und deshalb unterrichten und erziehen wir sie auch im Glauben, damit sie Gott kennenlernen und lernen, dass sie ihm wirklich vertrauen können.
  Aber da ist noch das zweite Wichtige, von dem Mose hier zu Israel redet. Und das vergessen - oder besser: das verdrängen wir nur zu gerne und zu schnell: Die Verantwortung, die wir für uns und unser Leben mit Gott haben.
Viele Israeliten hatten sich ja darauf verlassen: „Wir sind von Gott auserwählt - also was sollte uns noch passieren? Gott hat doch einen Vertrag mit mir gemacht, also gehöre ich als Israelit sicher zu ihm.“
Nein, von Gott auserwählt zu sein, das ist keine Versicherungspolice, die ich im Save verwahren kann und im Notfall heraushole, das ist auch kein Schicksal, gegen das ich nichts tun kann oder auch nicht dafür. Das wäre nicht biblisches Denken. Nein, dein Glaube wird sich immer wieder neu in deinem Leben bewähren. Das ist wie ein Ehebündnis, das nur dann seinen Wert behält, wenn diese Gemeinschaft mit Leben erfüllt wird, aus Vertrauen und Zuwendung, in Liebe und Treue.
Das Gesetz und die Zehn Gebote zeigen uns keinen Weg zu Gott oder zum ewigen Leben. Aber auf der anderen Seite kommen wir auch nicht an ihnen vorbei - ist uns mit ihnen Gottes Wille für unser Leben vorgegeben. Sondern: In den 10 Geboten sagt uns Gott, wie unser Leben aussieht, wenn wir ihm als unserm Gott vertrauen. Und: wer sollte besser wissen, was für uns gut ist, als der, der uns das Leben gegeben hat?
 Also: Wer gegen die Gebote verstößt, der soll wissen, dass er damit Gott und das Leben nicht achtet und seine ewige Zukunft gefährdet, ja, der hindert Gottes Liebe an ihm wirksam zu werden! ...und verspielt damit seine eigene Zukunft, sein ewiges Leben!
  Jeder kennt die vielen Stimmen, - ja, auch aus uns selber spricht es, und will uns von Gott wegdrängen, oder will uns von ihm weglocken, - macht viele Versprechungen, dass es uns gut gehen soll - gerade ohne Gott - und dass das alles eben sichtbar und greifbar sei, und sich in barer Münze auszahle.
So, wie manche Versicherungen oder Kreditgeber versprechen: „Heute spare an der Prämie, und morgen hast du!“ Aber dann stellt sich heraus: Du hast gar nichts! Man hat dich reingelegt! Die haben dich ausgesaugt, und geblieben ist dir ein Trümmerhaufen an Verzweiflung und zerstörten Hoffnungen auf eine gute Zukunft und dazu viele Schulden.
Genauso macht es der Versucher mit uns. Er verspricht das Blaue vom Himmel herunter, damit wir uns ja nur nicht auf Gott verlassen, seine Gebote halten und im wirklichen Leben bleiben und selig werden. Genau das will der Versucher möglichst verhindern!
Deshalb warnt und mahnt Mose sein Volk: „So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied denen hält, die ihn lieben und seine Gebote halten..
 Nein, nicht aus Angst vor Gottes Zorn sollen wir an ihm festhalten. Wie sollte aus Angst Vertrauen wachsen. Sondern: „Haltet euch an dem Bund fest, den Gott mit euch gemacht hat, dann werdet ihr leben und nicht umkommen!“   So könnte man den Grundtenor dieser Abschiedsrede des großen Hirten Israels - Mose – zusammenfassen.  
Für uns heute: „Halte dich an deine Taufe und an die Zusagen, die Gott uns gemacht hat, dann kann dir nichts wirklich schaden, dann kann dich nichts vom ewigen Leben abbringen!“  -  Ja noch weiter: „Und wenn es dir angst und bange wird, dann darfst du auch Gott bei seinem Wort nehmen, ihn an seinen Bund erinnern, daran dass er dein Vater sein will und versprochen hat, dir beizustehen. Dann darfst du ihn daran erinnern, was sein Sohn Jesus Christus für dich alles auf sich genommen hat. Und dass er versprochen hat: Wenn ihr rufen werdet, so will ich euch hören!“
Tauferinnerungssonntag. Du bist auserwählt. Gott hat dich als sein Kind angenommen. Kein Grund zum falschen Stolz, Grund aber, seine Liebe zu leben und sie mit allen zu teilen, mit denen wir zusammenkommen.
Schenke uns Gott, dass uns unsere Taufe auch so wichtig wird, wie Gott sie für uns ist, und dass wir aus ihr leben - im Vertrauen auf seinen Willen - und das Leben haben. Amen.

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(1. Petrus 5, 5b)